Beckenendlagen-Geburt.

Hat sich das Baby trotz all den alternativen Massnahmen aus unserem ersten Blogbeitrag zur Beckenendlage nicht gedreht, wird man vom betreuenden Gynäkologen/Gynäkologin gefragt, wie man denn sein Kind auf die Welt bringen möchte. Oft wird einem direkt ein Kaiserschnitt empfohlen. Wenn man sich jedoch nicht sicher ist, ob dies für einen auch stimmt, ist es wichtig, dass man dies äussert und sich eine Klinik sucht die Spontangeburten bei BEL anbieten. Der Gynäkologe/Gynäkologin überweist einen dann in diese Klinik für eine Geburtsmodusbesprechung. Bei der Geburtsmodusbesprechung werden die Voraussetzungen geklärt, der Ablauf einer Spontangeburt aus BEL sowie der Ablauf eines Kaiserschnitts erklärt, und die Vorteile und Risken besprochen. Auch wird man in der Anästhesiesprechstunde vorgestellt.

Die Voraussetzungen

  • Wunsch der Frau
  • Keine generellen Kontraindikationen für eine Spontangeburt
  • Geräumiges Becken (im MRI oder Status nach Spontangeburt)
  • Schätzgewicht des Kindes im Normbereich
  • Kind liegt in reiner Steisslage oder kompletter Steissfusslage und hat seinen Kopf angewinkelt

Während dem Gespräch mit einer Hebamme und dem ärztlichen Team wird erfasst, was sich das werdende Mami wünscht und man schaut gemeinsam die Anamnese (Krankengeschichte) an.

Wenn es das erste Kind ist, wird man ein MRI (Magnetresonanztomographie) durchführen. Beim MRI handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, welches mittels starkem Magnetfeld und Radiowellen Schichtbilder des Körpers erzeugen kann. Bei dieser Untersuchungsmethode werden keine Röntgenstrahlen verwendet, weshalb es während der Schwangerschaft durchgeführt werden darf. Anhand der MRI-Bilder wird man das Becken ausmessen um so ein verengtes Becken zu erkennen.
Hat man bereits spontan ein Kind geboren, geht man davon aus, dass das Becken geräumig ist und es wird meist kein MRI mehr gemacht.
Das Becken wird dann mit einer vaginalen Untersuchung zusätzlich noch ausgetastet.

Während der Geburtsmodusbesprechung wird auch ein Ultraschall gemacht. Die Ärzte schauen, wie dass Kind genau liegt, wo seine Beinchen sind und wie es den Kopf hält. Dann wird auch noch geschaut, wie gross und schwer es in etwa ist.

Dann wird ausführlich der Ablauf bei einer Spontangeburt, sowie die Vorteile und Risiken im Vergleich mit einem geplanten Kaiserschnitt erklärt. Danach folgt die Aufklärung für einen Kaiserschnitt und die Vorstellung in der Anästhesiesprechstunde.

Ablauf einer Spontangeburt aus BEL
Die Eröffnungsphase und der Beginn der Austreibungsphase sind nicht anders als bei einem Kind aus Schädellage. Es werden jedoch engmaschiger die Herztöne des Kindes kontrolliert und auf einen raschen Geburtsfortschritt geachtet. Auch ist die Spontangeburt erst ab 37 0/7 SSW möglich.
Der grosse Unterschied ist die Geburt des Kindes. Da der Steiss zuerst geboren wird, kann die Nabelschnur abgeklemmt werden und zu einer Unterversorgung des Kindes führen. Die Babys haben aber gewisse „Reserven“. Es ist jedoch wichtig, dass Kind so gut wie möglich zu unterstützten, dass es dann rasch zur Welt kommt. Zur Unterstützung wird die Schwerkraft genutzt. Sobald der Steiss des Babys Richtung Beckenausgang kommt, dreht sich das werdende Mami in den Vierfüsslerstand. So kommen die meisten Kinder ganz von alleine und problemlos auf die Welt. Es gibt aber auch Kinder die Hilfe benötigen, beim Entwickeln der Arme und des Köpfchens. Deshalb ist es wichtig, dass ein erfahrenes geburtshilfliches Team anwesend ist, welches diese Lösungsmanöver durchführen kann. Deshalb sind bei einer Geburt aus Beckenendlage mehr Ärzte anwesend als bei einer Geburt aus Kopflage. So sind alle bereits vor Ort um, wenn nötig, dem Kind helfen zu können.

Vorteile der Spontangeburt aus BEL
Das Mami ist nach einer Spontangeburt rasch wieder fit und hat meist keine Schmerzen. Auch der Blutverlust ist geringer. Dies führt zu einem kürzeren Spitalaufenthalt und der Möglichkeit einer ambulanten Geburt. Die Spontangeburt wird zudem als persönlicheres Erlebnis wahrgenommen. Man hat direkt die Möglichkeit zu bonden, das Stillen funktioniert meist problemloser und man kann sich rascher um das Baby kümmern. Auch für zukünftige Schwangerschaften ist es ein Vorteil, da keine Operation an der Gebärmutter stattgefunden hat.
Das Baby kann zudem selbst entscheiden, wann es auf die Welt kommt und ist dann auch bereit dazu. Bei einem geplanten Kaiserschnitt hingegen ist das Risiko von vorübergehenden Anpassungsstörungen (Atemprobleme) leicht erhöht.

Risiken der Spontangeburt aus BEL
Babys nach einer Spontangeburt aus BEL brauchen etwas öfters Unterstützung nach der Geburt als aus Schädellage. Sie haben im Vergleich ein höheres Risiko für kurzfristige Anpassungsstörungen. Das Risiko für Langzeitkomplikationen ist aber nicht erhöht. Das grösste Risiko ist die Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff. Deshalb wird bei einem schleppenden Geburtsverlauf und Anzeichen von Stress im CTG frühzeitig die Beendigung der Geburt mittels Kaiserschnitt indiziert.
Allgemein sind die Risiken für das Kind, wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, je nach Studie nur leicht erhöht bis unverändert.

Zum Schluss bleibt zu sagen, dass Geburten aus Beckenendlage sehr schön sind und meist auch schnell gehen. Es braucht aber ein bisschen Mut dazu. Deshalb ist es wichtig, dass man auf sein eigenes Gefühl hört und so entscheidet, was für einen stimmt.

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