Beikost.

Die Nachsorge der Hebammen, ist in der Schweiz so geregelt, dass die Krankenkasse Besuche bis zum 56. Lebenstages des Kindes bezahlt. Danach ist die Betreuung der Hebamme abgeschlossen.Während dieser Zeit wird das Baby ausschliesslich mit Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung ernährt. Danach geben wir die Betreuung der Familien an die Mütter- und Väterberatung weiter. Sie sind die Fachstelle für Themen wie Ernährung, Entwicklung, Spielen, Gesundheitsförderung, Krankheit sowie Erziehungsfragen. So bekommt man bei ihnen auch Auskunft und Ratschläge zum Thema Ernährung und Einführung der Beikost. Meist kommen aber die ersten Fragen zur Beikost bereits in den ersten Wochen nach der Geburt. Deshalb möchten wir euch im heutigen Blogbeitrag eine kleine Übersicht geben über die Ernährung im ersten Lebensjahr.

Wann ist das Baby bereit für Beikost?
Alle Babys haben ihr eigenes Tempo in der Entwicklung und auch beim „bereit sein“ für die Beikost. Wenn man sein Kind beobachtet, erkennt man aber an folgenden Punkten, dass es bereit ist für den ersten Brei. Das Baby kann mit wenig Unterstützung aufrecht sitzen und den Kopf halten. Es zeigt Interesse am Essen und nimmt immer wieder Sachen in den Mund.

Wie viel muss mein Kind essen?
Eine Frage, die viele Eltern beschäftigt. Die Mengen die ein Kind isst, kann sehr unterschiedlich sein. Von Kind zu Kind sowie auch beim gleichen Kind von Tag zu Tag. Auch das Alter spielt eine grosse Rolle. Wenn das Kind sich aber nach ein paar Bissen wegdreht, den Mund nicht mehr öffnet oder das Essen wieder ausspuckt, wird es wohl satt sein. Dann sollte man es niemals zum Aufessen drängen.

5. – 7. Lebensmonat
In den ersten 4-6 Monaten wird das Baby ausschliesslich mit Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung ernährt. Es braucht kein zusätzliches Wasser, Tees oder Beikost. Sobald das Baby mindestens 17 Wochen alt ist und Interesse am Essen zeigt, darf der erste Brei eingeführt werden. Spätestens ab der 26. Lebenswoche ist es empfohlen mit der Beikost zu beginnen.

Der erste Brei ist eher ein Kennenlernen und Ausprobieren. Es reichen ein paar Löffel Brei, denn das Ziel ist nicht, dass das Baby mit dem Brei satt wird. Damit es ausreichend gefüttert ist, ist es wichtig, dass es nach dem Brei noch gestillt wird oder Säuglingsanfangsnahrung bekommt. Es ist empfehlenswert mit dem ersten Brei am Mittag zu beginnen.

Bei der Einführung von Brei, sollte mit einzelnen Gemüsesorten begonnen werden. Ein Brei aus Karotten ist sehr gut geeignet dafür. Einige Tage später kann man dann zu den Karotten noch Kartoffeln und etwas Rapsöl geben. Nochmals ein paar Tage später kann man bereits mageres Fleisch dazugeben. Dann auch Fisch oder Ei.

Rezept
– 2 Karotten
– 1 Kartoffel
– 10g mageres Fleisch
– 1-2 TL Rapsöl
– 1,5 EL Orangensaft (ohne Zuckerzusatz)
Gemüse rüsten, Fleisch abwaschen. Alles in kleine Würfel schneiden und in wenig Wasser gar kochen. Dabei kein Salz verwenden. Den Saft hinzugeben und alles fein pürieren. Zum Schluss das Rapsöl unterrühren.

6. – 8. Monat
Etwa ein Monat später kann der zweite Brei eingeführt werden. Dafür ist ein Fruchtbrei mit oder ohne Getreide sehr gut geeignet. Sinnvoll ist es, diesen am Nachmittag oder Abend einzuführen als „Zvieri“ oder „Znacht“.

Rezept
– Früchte (z.B. Banane oder Apfel)
– Evtl. 2 EL ungesüsste Instant-Getreideflocken für Säuglinge
– Evtl. etwas Wasser, wenn der Brei zu dickflüssig ist
Früchte rüsten, pürieren. Evtl. Instant-Getreideflocke und Wasser dazugeben.

7. – 9. Monat
Ein weiterer Monat später kann der dritte Brei am Morgen oder Vormittag eingeführt werden. Dafür eignet ist ein Milch-Getreide-Brei. Ab dem dritten Brei muss dem Kind zusätzlich 2dl Flüssigkeit am Tag angeboten werden. Am besten geeignet ist Leitungswasser oder Mineralwasser ohne Kohlensäure. Zur Abwechslung kann auch ungesüsster Kräuter- oder Früchtetee angeboten werden.

Rezept
– 2dl Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung
– 2 EL ungesüsste Instant-Getreideflocken für Säuglinge
– Früchte
Instant-Getreideflocke mit der Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung anrühren, Früchte rüsten, pürieren und dazu geben.

9. – 11. Monat
Das Baby nimmt nun 3-4 mal am Tag einen Brei zu sich. Ergänzend wird es gestillt oder bekommt Säuglingsanfangsnahrung. Der Brei muss nun auch nicht mehr fein püriert werden. Es reicht oft aus, wenn man die Nahrungsmittel nur noch mit einer Gabel grob zerdrückt. Man kann auch zusätzlich „Fingerfood“ anbieten. Dafür geeignet sind Brotrinden, Schnitze von weichen Früchten wie Birnen und Pfirsiche oder gekochte Apfelschnitze. So kann das Baby das Essen nochmals anders entdecken, experimentieren und lernen selber zu Essen.

10. – 12. Monat
Nun findet der Übergang zur Familienkost statt. Das heisst, dass das Baby nach und nach keine speziell zubereiteten Mahlzeiten mehr braucht, sondern von fast allem Essen kann, was auch die Erwachsenen essen. Es werden nun drei Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) und evtl. noch zwei Zwischenmahlzeiten (Znüni und Zvieri) empfohlen. Zu jeder Mahlzeit sollte man dem Kind Wasser anbieten. Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung benötigen die Kinder dann meist nur noch am Abend vor dem Schlafen und am Morgen.

Ungeeignete Lebensmittel
Rohe und unzureichend erhitzte tierische Lebensmittel sollten dem Baby nicht gegeben werden, da das Risiko für eine Übertragung von Toxoplasmose und Listerien besteht.
Auch Honig ist für Babys gefährlich. Der Honig kann bestimmte Bakterien (Clostridium botulinum) enthalten, die im Darm ein Gift bilden das über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen wird. Das Gift kann dann zu einer Lebensmittelvergiftung „Säuglings-Botulismus“ führen, welche die Atem- sowie Schluckmuskulatur lähmt.
Weiter sollten keine verarbeiteten Fleischwaren wie Wurst, Schinken usw. gegeben werden, da sie aufgrund des hohen Fett und Salz Gehalts nicht geeignet sind.
Vollmilch, Quark und Käse sind aufgrund des hohen Proteingehalts erst ab dem 13. Monat empfohlen. Man darf jedoch kleine Mengen an Vollmilch oder Joghurt für die Zubereitung eines Breis ab dem 7. Monat verwenden.
Auch sollten Lebensmittel die eine Gefahr darstellen, dass sei verschluckt werden können nicht angeboten werden. Dazu gehören Nüsse, Brot mit Kernen, Weintrauben, Fisch mit Gräten und Bonbons.

BLW-Methode
Ein neuer Trend beim Einführen der Beikost ist das „baby-led weaning“ (Baby gesteuertes Abstillen). Bei dieser Methode bekommt das Baby keinen Brei sondern es werden verschieden Nahrungsmittel in kleinen Stückchen angeboten. Das Kind entscheidet dann selbst was es nimmt und essen möchte. Eine Stück Brot? Ein Stück gekochte Karotte? Ein kleines Stück Pfirsich? Ein Röschen gekochter Brokkoli? Oder ein Stück Fleisch?
Die Umstellung auf Beikost dauert so meist länger, da die Babys zu Beginn weniger essen. Dies ist auch ein Kritikpunk an der BLW-Methode. Denn unter Umständen ist die Ernährung nicht ausgewogen und kann zu einem Eisenmangel beim Baby führen.
Für Babys die keinen Brei essen, wär dies aber eine weitere Möglichkeit um ihr Interesse am Essen zu wecken. Auch eine Mischung aus Brei und BLW wäre möglich.

Weitere Informationsquelle
Eine tolle und sehr ausführliche Seite zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern gibt es vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) unter: https://kinderandentisch.ch/

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