Totgeburt.

Auch wenn eine Mutter ihr Kind tot gebären musste, ist sie eine Mutter.

„Wir finden keine Herztöne. Ihr Kind ist leider verstorben.“ Dies sind wahrscheinlich die schlimmsten Worte, für eine Schwangere und ihren Partner und der Albtraum aller Eltern. Leider kommt es immer mal wieder vor, dass wir mit der Situation eines im Mutterleib verstorbenen Kindes konfrontiert werden. Auch für uns Hebammen, ist es jedesmal sehr schmerzlich und geht uns nahe.

In unserem Blogbeitrag zu den Fehlgeburten, haben wir uns mit den nicht meldepflichtigen Kindern beschäftigt, die vor der 22 0/7 Schwangerschafstwoche geboren werden oder leichter als 500 Gramm sind. Was aber, wenn das Kind kurz vor der bevorstehenden Geburt verstirbt, oder wenn der errechnete Termin schon erreicht war?

Gründe sind meist schwer zu finden, da dieses Gebiet immer noch sehr wenig erforscht ist. Wenn ein Paar die Ursache wissen möchte, kann beim Kind eine Autopsie gemacht werden, falls man keine äusserlichen Auffälligkeiten findet.
Möglich Ursachen sind:
– Kindliche Fehlbildungen
– Unterversorgung durch die Plazenta
– Nabelschnurkomplikationen
– Infektionen
– Blutgruppenunverträglichkeit

Nach dem Erfahren der traurigen Neuigkeiten, ist es wichtig der Schwangeren und ihrer Familie Zeit zu lassen, um die Situation zu realisieren. Die Reaktionen können sehr unterschiedlich ausfallen. Manche Frauen wollen am liebsten nach Hause und sich verkriechen, manche hätten gerne sofort einen Kaiserschnitt. Wichtig ist nun aber, die nötigsten Informationen abzugeben und wenn möglich Zeit zu geben. Danach wird bei Nichteintreten der Wehentätigkeit, eine Einleitung empfohlen.

Während der Geburt, soll der Gebärenden grosszügig eine PDA, oder andere Schmerzmittel angeboten werden. Denn viele Frauen empfinden die Geburt als schmerzhafter und sehen keinen Grund, die Schmerzen für „nichts“ ertragen zu müssen. Ein Kaiserschnitt wird nur in Situationen, die gefährlich für die Mutter sind durchgeführt. Denn das Kind spontan zu gebären, ist ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit und der Verarbeitung.

Die Geburt eines stillgeborenen Kindes, ist tatsächlich meist sehr still, da nicht wie gewohnt das CTG mit den Herztönen Geräusche verursacht. Die Betreuung der Frau durch die Hebamme, unterscheidet sich aber kaum. Wir stehen der Gebärenden zur Seite, helfen bei der Verarbeitung der Wehen und unterstützen die Linderung dieser. Denn auch in dieser Situation ist es wichtig, wie dieses Kind geboren wird.

Nach der Geburt, wir das Kind abgenabelt und der Mutter, wenn sie dies möchte, auf die Brust gelegt. Das körperliche Kennenlernen und in dieser Situation, gleichzeitige auch Verabschieden, ist genau so wichtig wie bei der Geburt eines lebenden Kindes. Wir verabschieden uns als Fachpersonal meist aus dem Zimmer und geben der Familie, diese kurze aber intensive Zeit um einander kennen zu lernen. Danach wird mit den Eltern zusammen, natürlich nur wenn sie dies möchten, das Kind gewogen und gemessen, Fussabdrücke und Fotos gemacht. Auch die Kleider oder ein Körbchen können durch die Eltern mitgebracht oder ausgewählt werden. Eine schöne Idee ist es auch, dem Kind Kleinigkeiten mitzugeben und identische Stücke als Erinnerung zu behalten. Auch Zeichnungen oder Geschenke von Geschwisterkinder oder Briefe von der Familie, sehen wir oft.

Die Mutter kann nach der Geburt wie eine andere Wöchnerin, ein paar Tage im Spital bleiben. Zu Hause kann auch sie die Betreuung einer Hebamme in Anspruch nehmen. In den ersten Tagen nach der Geburt, soll die Mutter jederzeit die Möglichkeit haben ihr Kind zu besuchen oder es bei sich zu haben. In diesen Tagen, kann auch die Beerdigung geplant werden.

Auch wir Hebammen müssen uns nach so einem Ereignis, mit unseren Teamkolleginen austauschen, um die Situation zu verarbeiten. Auch bleiben uns diese kleinen Engelchen immer in Erinnerung.

Zum Glück gibt es viele Fachstellen die den Familien zu Seite stehen. In der Schweiz und in Liechtenstein sind es vor allem diese drei:
http://www.kindsverlust.ch
http://www.mein-sternenkind.ch
http://www.schwanger.li

Eine wunderbare Organisation ist auch der Verein Herensbilder, bei dem Fotografen aus der ganzen Schweiz,ehreamtlich, Erinnerungsbilder für die Familen machen: http://www.herzensbilder.ch

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