Serologien in der Schwangerschaft.

Für die Schwangere bedeutet die Kontrolle der Serologien, eigentlich nur eine Begegnung mit der Nadel zur Blutentnahme. Bereits beim Thema Pränataldiagnostik haben wir ja schon über die Blutentnahme beim ersten grossen Ultraschall gesprochen. Nicht nur für den Ersttrimestertest ist die aber wichtig, sondern auch um festzustellen mit welchen Kinderkrankheiten die werdende Mami Kontakt hatte, ob sie HIV positiv ist oder ob eine aktive Infektion mit dem Hepatits B Virus vorliegt. All diese Infos die mit dieser Blutentnahme gesammelt werden, haben eine unterschiedliche
Bedeutung. Gehen wir, wie auch im Instagram-Feed, dem ABC nach und besprechen die Wichtigsten.

H wie Hepatitis B
Bei Hepatitis B interessiert uns, ob die werdenden Mami aktuell an einer aktiven Infektion leidet, also eine durch den Virus verursachte Entzündung der Leber.
Eine aktive Infektion stellt während der Schwangerschaft für das Kind keine Gefahr dar. Die Mutter wird nicht oder nur in ganz seltenen Fällen behandelt, da die Medikamente dem Kind Schaden zufügen können und es sehr selten zu einer akuten Verschlechterung der Erkrankung kommt. Während der Geburt ist jedoch eine Infektion des Kindes mit dem Virus sehr wahrscheinlich. Erkrankte Neugeborenen zeigen einen schwereren und chronischeren Verlauf als Erwachsene. Um dem Vorzubeugen müssen wir das Neugeborenen so schnell wie möglich nach der Geburt impfen. Wir verhindern somit eine schwerwiegende Schädigung der kindlichen Leber.

H wie HIV
Auch bei HIV geht es vor allem um den Schutz des Kindes. Dabei ist wichtig zu wissen, wie stark ausgeprägt die chronische Erkrankung bei der Mutter aktuell ist. Dies wird bei einer HIV positiven Patientin, die schwanger werden möchte oder bereits schwanger ist an der Viruslast, das heisst an der Konzentration der HI-Viren im Blut bestimmt. Ist dieser tief, ist das Ansteckungsrisiko während der Schwangerschaft oder der Geburt gering. Das Kind bleibt so von einer Ansteckung mit der nicht heilbaren Erkrankung geschützt. Auch das Stillen birgt nur bei hoher Virusbelastung eine Gefahr für eine Übertragung an das Neugeborene. Eine geringe Viruslast wird durch eine gute medikamentöse Einstellung ermöglicht, die am besten
bereits vor einer Schwangerschaft begonnen wurde.

R wie Röteln
Eine Überprüfung der Antikörper ist nur dann notwendig, wenn die Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln im Kindesalter nicht zweimal erfolgt ist. Wir empfehlen euch daher neben dem Mutterpass, wenn ihr einen habt, und der Blutgruppenkarte, auch immer den Impfpass bei euch zu tragen. Vor einer Schwangerschaft könnt ihr hier selbst überprüfen, ob ihr zweimal geimpft seid. Falls nicht, lohnt es sich die Impfung vor dem positivem Schwangerschaftstest nachzuholen, denn während einer Schwangerschaft ist eine Impfung mit einem Lebendimpfstoff nicht möglich. Bei einer Erstinfektion mit Röteln in der Schwangerschaft können die Viren über die Plazenta auf das Kind übertragen werden. Hier kann die Erkrankung des Ungeborenen zu ausgeprägten Fehlbildungen führen. Diese können so schwerwiegend sein, dass das ungeborene Kind verstirbt. Vor allem betroffen sind das Herz, das Gehörorgan, die Augen und das Gehirn. Mit zunehmendem Schwangerschaftsalter nimmt der Schweregrad der Fehlbildungen ab, so dass die Infektion ab der 20. SSW keine Gefahr mehr für das ungeborene Kind darstellt. Nach der Geburt kann es sein, dass das Kind bis zu einem Jahr lang das Virus an andere übertragen kann. Aufgrund dieser Tatsache und der Schwere der Fehlbildungen wird zumeist zu einem Schwangerschaftsabbruch geraten. Zum Glück sind in der Schweiz viele Menschen geimpft. Man kann von einer guten Herdenimmunität ausgehen, daher sind auch Menschen, die nicht geimpft werden können und Menschen, die nicht auf den Impfstoff mit einer Immunität reagieren, geschützt.

S wie Syphilis
Syphilis, in der Medizin auch als Lues bezeichnet, kann bei einer mütterlichen Infektion während der Schwangerschaft und der Geburt auf das Kind übertragen werden und so die Erkrankung verursachen. Zwar verbreitet sich die Erkrankung in den letzten Jahren auch in der Schweiz wieder mehr, ist allerdings immer noch recht selten. Durch rechtzeitiges Erkennen der Erkrankung kann diese mit Antibiotika problemlos und zuverlässig behandelt werden. So kann die Ansteckung des Kindes
verhindert werden. Wichtig ist jedoch vor allem sich vor einer Ansteckung zu schützten und dies ist wie bei allen sexuell übertragbaren Krankheit nur durch Kondome möglich.

W wie Windpocken
Die Windpocken, im Fachjargon als Varizellen bezeichnet, sind bei einer Erstinfektion während der Schwangerschaft vor allem für die Mutter gefährlich. Je später jemand an den Windpocken erkrankt, desto schwerwiegender verläuft die Erkrankung. Ein Fünftel der Erwachsenen die an Windpocken erkranken, entwickeln eine Lungenentzündung. Diese kann bei 10% von betroffenen
Schwangeren zum Tod führen. Aber auch über den Mutterkuchen werden die Windpocken auf das Kind übertragen. Verglichen mit Röteln passiert dies jedoch selten nur in 2% der Fälle und ist daher sehr unwahrscheinlich. Falls jedoch eine Übertragung stattfindet, sind die Schädigungen schwerwiegend. Es kommt bei allen betroffenen Kinder zu Blasen auf der Haut, die vernarben. Viele zeigen körperliche und geistige Einschränkungen, eine Unterentwicklung von Armen und Beinen, wie
auch Probleme mit den Augen. Erfolgt die Infektion der Mutter kurz vor der Geburt, kann der Verlauf der Windpocken beim neugeborenen Kind mit einer passiven Impfung gemildert werden. Zum Glück sind viele Frauen bereits in ihrer Kindheit an Windpocken erkrankt und sind daher immun. Dies sollte aber mittels Bluttest überprüft werden. Liegt keine Immunität vor, ist nach der Schwangerschaft eine Impfung möglich.

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