Geburtseinleitung.

Für viele ein gefürchteter Vorgang, der mit Komplikationen im Geburtsverlauf oder starken Schmerzen in Verbindung gebracht wird. Die Gründe und Varianten einer Einleitung sind vielfältig und haben in den letzten Jahren massiv an Häufigkeit zugenommen. Wieso dies so ist und wie man die Geburt einleitet, verraten wir euch in diesem und dem nächsten Blogbeitrag.

Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen „Einleitungs-Methoden“ die jede Frau selbst zur Vorbereitung, ohne Hilfe einer Hebamme unternehmen kann, alternative Massnahmen mit Hilfe einer Hebamme und die medikamentöse Einleitung im Spital.

Alternative Einleitung ohne Hilfe einer Hebamme
Gründe:
Der errechnete Termin rückt näher oder ist schon erreicht. Keine Position ist mehr bequem und an richtigen Schlaf ist schon lange nicht mehr zu denken. Man möchte versuchen die Geburt ganz sanft herbeizuführen. Die Massnahmen, bis auf genügend Bewegung und gesunde Verdauung, sollten auf keine Fall vor der 37 0/7 SSW durchgeführt werden, um eine Frühgeburt zu verhindern.

Massnahmen:

  • Bewegung: Da die Geburt ein aktiver Vorgang ist, sollte man in den Tagen vor der Geburt versuchen aktiv zu bleiben um dem Baby zu helfen, sich im Beckeneingang einzufinden. Dabei reicht Spazieren, Yoga oder jede körperliche Aktivität bei der du dich wohl fühlst aus und es muss kein aktives Treppensteigen sein.
  • Verdauung: Eine regelmässige Entleerung von Stuhlgang ist in der Zeit vor der Geburt wichtig. Verstopfungen sind möglicherweise Hindernisse für eine Geburtsbeginn. Deswegen sollte man Lebensmittel wählen, welche die Verdauung in Schwung halten oder sogar leicht abführen.
  • Gewürztees: Tees mit Nelken, Zimt, Kardamom und Ingwer (1-3 Tassen am Tag)
  • Bauchmassage mit anregendem Öl: Diese Öle sollten wie beim Tee auch wehenanregende Komponenten enthalten, wie z.B : Nelken, Zimt, Muskateller, Verbena. Damit kann der Bauch im Uhrzeigersinn mit kreisenden Bewegungen 1-2 täglich massiert werden.
  • Geschlechtsverkehr: In der Samenflüssigkeit sind Prostaglandine enthalten, die denn Gebärmutterhals reifen lassen können und so wehenanregend wirken.
  • Brustwarzenstimulation: Durch das Reiben und massieren der Brustwarzen, wird Oxytocin (das Kuschel- und Wehenhormon) ausgeschüttet. Dabei ist es aber wichtig, dass man die Stimulation nur ca. für 1 min durchführt und danach wieder eine Pause macht um eine Überstimulation zu verhindern.
  • Nachtkerzenöl: Kann als Kapseln geschluckt oder in die Scheide eingeführt werden. Nachtkerzenöl kann die Reifung des Gebärmutterhals unterstützen. Erfahrungsgemäss wirkt es am Besten, wenn man abends vor dem Schlafen 2 Kapseln, vaginal einführt.
  • Fasten oder Diäten: Manche Frauen schwören auf die Louwen Diät.
  • Meditation, Entspannung und Gedankenreise

Alternative Einleitung mit Hilfe einer Hebamme
Gründe:
Der Geburtstermin ist überschritten oder es droht aus anderen Gründen eine medikamentöse Einleitung, welche man vielleicht lieber umgehen möchte.

Massnahmen:

  • Eipollösung: Bei der Eipollösung wird die Hebamme während einer vaginalen Untersuchung versuchen den inneren Muttermund von der Fruchtblase zu lösen. Dafür muss dieser schon ein wenig geöffnet sein. Die Fruchtblase bleibt unversehrt und intakt. Die Eipollösung kann als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden, deswegen wird sie möglichst behutsam durchgeführt und sofort abgebrochen, wenn es für die Schwangere nicht auszuhalten ist. Das Ziel der Eipollösung, ist das Freisetzen von Prostaglandinen.
  • Wehen-Cocktail: Er ist wahrscheinlich nicht der leckerste Cocktail den man jemals getrunken hat, erfüllt aber oft seinen Zweck. Das Rizinusöl, welches mit Fruchtsaft (meist Aprikosensaft) und Mandelmus gemischt werden kann, wirkt abführend. Durch die erhöhte Aktivität im Darm, kann auch die Gebärmutter angeregt werden.
  • Anregungspumpen: Eine Massnahme die nur im überwachten Setting durchgeführt werden darf. Während dem die Frau für je 10-15 Minuten die Brust mit der Milchpumpe anregt, ist sie am Dauer-CTG angeschlossen. Vor allem bei Mehrgebärenden, bei denen der Muttermund schon leicht geöffnet ist, haben wir gute Erfahrungen damit gemacht.

Wenn all diese Massnahmen nicht funktionieren, wird die medikamentöse Einleitung besprochen und durchgeführt.

Medikamentöse Einleitung
Gründe:
Der häufigste Grund für eine medikamentöse Geburtseinleitung ist die Terminüberschreitung. Hier schreiben wir bewusst Terminüberschreitung und nicht Übertragung, weil kaum mehr ein Krankenhaus bis 14 Tage nach dem errechneten Termin wartet, bis es einer Frau die Einleitung nahelegt.
Alles zum Thema Terminüberschreitung und Übertragung, findet ihr hier: https://hebammehoch2.ch/hebammenblog/1034/ .

Weitere Gründe für eine medikamentöse Einleitung sind ein zu hohes oder zu niedriges Gewicht des Kindes, Auffälligkeiten der Herztöne in der Schwangerschaftskontrolle, abnehmende Fruchtwassermenge, ein Schwangerschaftsdiabetes, mütterliches Alter, vorzeitiger Blasensprung, Gestose, Infektionen oder der Wunsch der Schwangeren.

Massnahmen:

  • Wehentropf mit Oxytocin: Über eine Infusion, wird in geringen, genau steuerbaren Mengen, das Wehenhormon Oxytocin über 6 Stunden verabreicht. Diese Methode wird meist bei Mehrgebärenden durchgeführt, da Oxytocin direkt auf die Gebärmutter wirkt. Dabei ist es wichtig, dass der Gebärmutterhals schon verkürzt oder ganz verstrichen ist und der Muttermund leicht geöffnet ist. Diese Einleitungsmethode wirkt dann meist viel schneller als das Einlegen von Prostaglandinen. Reicht ein Zyklus des „Wehentropfes“ nicht aus, wird nach einer Pause besprochen, wie man weiter einleitet.
  • Vaginale Prostaglandine: Ob Gel, Tablette oder Tampon. Der Wirkstoff ist meist der Gleiche. Prostaglandin hilft dem Muttermundhals zu reifen und leitet so eine Geburt ein. Diese Variante kann mehrere Stunden bis Tage dauern, bis die eigentliche Geburt beginnt. Dies ist so, weil das Medikament in regelmässigem Abstand verabreicht wird. Geduld ist also hier das aller wichtigste.
  • Ballonkatheter: Eine neuere Einleitungsmethode, bei der nicht chemisch, sondern mechanisch eingeleitet wird. Ein feiner „Schlauch“ wird in den Gebärmutterhals eingeführt. Dann wird beim inneren und äusseren Muttermund ein Ballon mit Flüssigkeit gefüllt. So wird der Muttermund gedehnt. Diese Methode wird meistens gewählt, wenn die chemischen Varianten nicht durchgeführt werden dürfen z.B bei vorangegangenem Kaiserschnitt.
  • Künstlicher Blasensprung: Bei leicht eröffnetem Muttermund wird die Fruchtblase mit einem kleinen Häkchen eröffnet. Man möchte so die natürliche Prostaglandin-Ausschüttung anregen. Dabei ist wichtig, dass das Köpfchen fix im Beckeneingang ist. Es besteht jedoch die Gefahr, dass trotz Blasensprung keine Wehen entstehen. Da die Fruchtblase geöffnet ist steigt zudem das Risiko für Infektionen.

Die üblichen Einleitungsmethoden sind in jedem Krankenhaus unterschiedlich und müssen in jeder Situation individuell besprochen werden. Wichtig ist es aber, dass ihr genau aufgeklärt werdet, welches Medikament verwendet wird und was es für euch und euer Kind bedeutet.

1+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.